Das Projekt

Das Forschungsvorhaben wird als eines von 9 Projekten im Rahmenprogramm Forschung für die Nachhaltige Entwicklung der Megastädte von morgen durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Projekttitel

RECAST URUMQI - Ressourceneffizienz als Schlüssel zur nachhaltigen Megastadtentwicklung in Trockenräumen: Urumqi als Modellstadt für Zentralasien

Projektziele und Schwerpunkte

Das zentrale Ziel des transdisziplinären Projektes ist es, Strategien und Instrumente für die nachhaltige Entwicklung einer rasch wachsenden Trockengebietsmetropole in Zentralasien (Urumqi/ NW-China) zu entwickeln, um die Lebensqualität im urbanen Raum zu fördern und langfristig sicherzustellen. Um dies zu erreichen, besteht im Projekt eine enge Kooperation von Wissenschaft, kommunaler Administration und Praxis sowie der Wirtschaft. Im weiteren Verlauf des Projektes sollen die real ablaufenden Veränderungsprozesse innerhalb von 5 Jahren mittels Feedbackmechanismen begleitet werden.
 

Im Zentrum des Projektansatzes stehen die  umweltsensitiven, vielfältig und eng miteinander verknüpften  Schlüsselkreisläufe Wasser, Material und Energie sowie deren Wechselwirkungen. Das  Projekt ist daher in die drei Arbeitsgruppen (Task Groups) Wasserressourcen-,  Material- und Energieeffizienz unterteilt.

Konzept Recast Urumqi (Th. Sterr)

Konzept Recast Urumqi (Quelle:Th. Sterr)

Über das konkrete Fallbeispiel Urumqi hinaus, sollen im Projekt auf andere Trockengebietsmetropolen übertragbare Instrumente und Technologien für ein nachhaltiges Wachstum entwickelt werden.


Urumqi – eine schnell wachsende Trockengebietsgroßstadt in NW-China

Das Untersuchungsgebiet Urumqi ist die Hauptstadt der autonomen Region Xinjiang im trockenen Nordwesten Chinas.

Übersichtskarte China mit Urumqi

Übersichtskarte China mit Urumqi (Quelle: leicht verändert nach CIA Factbook; public domain)

Auf Basis ihres großen Reichtums an Bodenschätzen, insbesondere Kohle, Erdgas, Erdöl und Salz verzeichnete Urumqi in den letzten Jahren ein selbst im innerchinesischen Vergleich weit überdurchschnittliches  Wirtschaftswachstum. Auch die Bevölkerungszahl von Urumqi steigt vor dem Hintergrund der damit verbundenen Perspektiven weiter stark an und liegt  gegenwärtig bei ca. 2,7 Mio. Einwohnern. Die Grenzen städtischer Physiognomie  dehnen sich in großen Schritten zum Umland hin aus und auch vor diesem Hintergrund beschloss die Regierung von Xinjiang die Durchführung einer Verwaltungsreform, im Rahmen derer Urumqi mit der die Stadt umgebenden Region  Changji administrativ verschmolzen werden soll. Die  Verwaltungsreform ist seit 2005 im Gange, weshalb die Einwohnerzahl von Urumqi auch auf Basis der territorialen Erweiterung des Stadtgebietes steigt. So erhöhte sich die Einwohnerzahl von Urumqi zuletzt allein über die Eingliederung von Midong als neuem Stadtgebiet  von Urumqi um mehr als 200.000. Nähme man das Ende des administrativen  Verschmelzungsprozesses von Urumqi Stadt und Changji Region bereits heute vorweg, so lebten auf dem Territorium eines zukünftigen „U-Chang“ (= Urumqi +  Changji) = Uchang bereits heute ca. 4,6 Mio. Menschen.

Zentrum von Urumqi (Bild: M.Seyboth)

Blick auf das Zentrum von Urumqi (Bild: M.Seyboth)

Trotz der soeben beschriebenen relativierenden Interpretation der statistischen Zahlen zum aktuellen Bevölkerungswachstum von Urumqi bleibt festzuhalten, dass die Stadt in den letzten 50 Jahren einem der  dynamischsten Entwicklungs- und Transformationsprozesse in ganz Zentralasien  unterworfen war und dass dieser Prozess auch weiterhin anhält. Fakt ist, dass  sich Urumqi zwischen 1950 und 2000 von einem traditionellen regionalen Marktort  mit weniger als 100.000 Einwohnern (Urumqi = junggarisch: „liebliches Weideland“)  zu einer modernen zentralasiatischen Metropole mit mehr als 2 Millionen Einwohner gewandelt hat (heutiger Anspruch von Urumqi als „The Central City of  Central Asia“) – und dass diese Wachstumsdynamik von verschiedenartigen Kräften und Faktoren geprägt wurde und wird. Einen solchen Entwicklungsprozess zum Wohle eines multiethnischen Konglomerats von Menschen zu steuern oder auch nur  in einem „harmonischen Korridor“ zu manövrieren gehört sicherlich zu den  größten Herausforderungen von Urbanisierung überhaupt.

Eine solche „emerging megacity“ im Sinne eines dauerhaft gangbaren Weges weiterzuentwickeln erfordert aber nicht nur politisches Geschick und Bereitschaft zum gesamtgesellschaftliches Miteinander und Interessenausgleich,  sondern bedeutet viel mehr noch die gemeinsame Suche nach sowie die Umsetzung  von Strategien und Maßnahmen zugunsten einer effizienteren und nachhaltigeren  Ausschöpfung des Nutzenpotenzials wertvoller Ressourcen. Das Projekt RECAST  Urumqi fokussiert auf genau diese Zielsetzung und beschäftigt sich vor diesem  Hintergrund auch ganz zentral mit den Themen Energieeffizienz,  Materialeffizienz sowie dem nachhaltigeren Umgang mit den in Trockengebieten  typischerweise knappen Wasserressourcen.
 

Urumqi – als Vorbild

Mit dem Wachstum der Agglomeration Urumqi sind Umweltprobleme verknüpft, die typisch für Städte in Trockengebieten sind. Diese sind durch beschränkte ökologische Ressourcen sowie eine große Sensitivität und Reaktivität gegenüber natürlichen (Global Change) und anthropogen verursachten (Human Impact) Veränderungen charakterisiert.  Die Sensitivität gegenüber inneren und äußeren Einflüssen auf das städtische Leben in ariden Gebieten betrifft alle funktionalen Wechselwirkungen zwischen der sozialen, ökonomischen und ökologischen Dynamik. Trotz des großen Risikopotentials wurden die besonderen Bedingungen, unter denen sich die Entwicklung einer Trockengebiets-Megastadt vollzieht, bislang nur wenig untersucht.  Mit seiner gegenwärtigen Entwicklungsdynamik nimmt Urumqi einen Prozess vorweg, den viele weitere Trockengebietsgroßstädte mit großer Neugier verfolgen. Dies gilt insbesondere für Metropolen in Zentralasien (v.a. in den ehemaligen Sowjetrepubliken), aber auch im Mittleren Osten bzw. am Rande der Sahara. Damit das Projekt seinem Übertragbarkeitsanspruch gerecht wird und nicht nur dem spezifischen Handlungsbedarf in Urumqi, müssen die zu entwickelnden Managementstrategien, Schulungsinhalte und Technologien nicht nur an den wesentlichen Stellschrauben ansetzen, sondern gleichzeitig auch hinreichend flexibel gestaltet sein.
 

Projektdauer

Die Projektförderung durch das BMBF umfasste zunächst eine zwei-jährige Set-up-Phase (Sept. 2005 – Aug. 2007). Während dieser Zeit wurden die Kontakte zu den relevanten Akteuren in Urumqi und der umgebenden Provinz Changji ausgebaut und die zentralen Bedürfnisse der Menschen identifiziert. Für die einzelnen Schlüsselkreisläufe wurden bereits erste Konzepte entwickelt. Am 1.05.2008 begann die Hauptphase des Projekts, diese war für den Zeitraum von 2008 – 2013 vorgesehen.

 

Projektkoordination

Dr. Thomas Sterr   Dipl. Vw. Sha Xia

Geographisches Institut der Universität Heidelberg  

Im Neuenheimer Feld 348  
69120 Heidelberg
Fon.: +49 (0)6221/54 45 84  
Fax.: +49 (0)6221/54 49 97  
E-Mail: thomas.sterr@geog.uni-heidelberg.de

 

Institut für Umweltwirtschaftsanalysen (IUWA) Heidelberg e.V.

Tiergartenstr. 17
D-69121 Heidelberg
Fon.: +49 (0)6221/64 94 013
Fax.: +49 (0)6221/64 94 014
E-Mail: xia@iuwa.de